Selbstständige und Freiberufler


Die Berufsunfähigkeitsversicherung dient dazu, den Lebensstandard von erwerbstätigen Personen und somit auch von Selbtständigen und Freiberuflern abzusichern, selbst wenn diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage dazu sind, ihrer Arbeit nachzugehen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Selbstständige und Freiberufler daher ein grundlegender Baustein für die finanzielle Absicherung für den Betroffenen selbst und dessen Familie. Da der Selbstständige und Freiberufler in den seltensten Fällen staatliche Unterstützung erhält.


Unterschiede zwischen Selbstständige/ Freiberufler und Arbeitnehmer

Arbeitnehmer, die ernsthaft erkranken oder einen Unfall erleiden, haben zunächst einmal einen Anspruch auf sechs Wochen Lohnfortzahlung. Danach erhalten sie von der Krankenkasse das Krankengeld – bis zu einer Höchstdauer von 78 Wochen. Bleiben dauerhafte Schäden zurück und liegt eine Berufsunfähigkeit vor, kann der Arbeitnehmer die Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen.

Diese muss jedoch meist durch Hartz IV aufgestockt werden. Bevor die staatliche Grundsicherung ausgezahlt wird, muss das eigene Vermögen zur Finanzierung des Lebensbedarfes herangezogen werden. Je nach Behinderungsgrad nach einem Unfall oder durch Krankheit ist es auch möglich, dass die EU-Rente verweigert wird und stattdessen eine Erwerbsminderungsrente gezahlt wird. Der Empfänger ist dann allerdings auch verpflichtet, jede ihm noch mögliche Tätigkeit anzunehmen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist aus diesem Grund auch Arbeitnehmern dringend zu empfehlen.

Der Selbstständige hingegen, wie auch der Freiberufler, ist in finanzieller Hinsicht auf seinen Tagessatz angewiesen: Beide haben keinen Anspruch auf Gehaltsfortzahlungen und erhalten Krankengeld in der Regel erst nach sechs Wochen. Was aber passiert, wenn ein Selbstständiger dauerhaft arbeitsunfähig wird? Er kann dann seinen Beruf nicht mehr ausüben und erzielt kein Einkommen mehr.

Selbstständige und Freiberufler

Absicherung durch breitgefächerte Versicherungen ein Muss

Bei Selbstständigen und Freiberuflern stellt die Berufsunfähigkeitsversicherung die einzig vernünftige Absicherung dar. Sie sollte allerdings dringend mit einer Unfallversicherung ergänzt werden. Gerade für Startups oder für alleine arbeitende Freiberufler ist es häufig jedoch schwer, die Beträge für diese wichtige Absicherung aufzubringen. Wer sich aber selbstständig macht, sollte bedenken, dass es ab sofort nichts Wichtigeres gibt, als den Erhalt der eigenen Arbeitskraft – und deren finanzielle Absicherung. Ein intensiver Blick auf die Leistungen beider Versicherungsarten zeigt auf, warum beide für Selbstständige und Freiberufler so wichtig sind.

Die Unfallversicherung zahlt im Falle eines Unfalls ein Krankentagegeld, sowie das Krankenhaustagegeld, durch das höhere Aufwendungen ersetzt werden können. Bei Unfalltod erhalten die Hinterbliebenen die vereinbarte Todesfallsumme. Sie kommt für Bergungskosten auf, und sollten kosmetische Operationen nach einem Unfall notwendig werden, so sind diese abgedeckt.

Der wichtigste Grund, eine Unfallversicherung abzuschließen, ist allerdings die Invaliditätsleistung. Die Höhe der Auszahlung bei Invalidität hängt jedoch vom Invaliditätsgrad ab: Die tatsächlich auszahlbare Summe errechnet sich anhand der prozentualen Invalidität. Bei einer Invalidität von 100 Prozent sind durchschnittlich 500 000 Euro allerdings überhaupt nichts, auch wenn diese Summe im Ohr eines gesunden Menschen nach sehr viel Geld klingt. Im Fall einer dauerhaften Berufsunfähigkeit ist sie nur der Grundstein für den Start in ein behindertengerechtes Leben und keinesfalls ausreichend.


Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoller Grundstein zur finanziellen Absicherung

Kann kein eigenes Einkommen mehr erzielt werden, besteht eine Versorgungslücke in Höhe von durchschnittlich 70 Prozent gegenüber dem gewohnten Einkommen, denn in diesem Fall müssen die staatlichen Sozialleistungen genügen.

Aus diesem Grund ist die Berufsunfähigkeitsversicherung ein absolutes Muss, gerade für Selbstständige und Freiberufler. Die Leistungen bestehen aus einer monatlichen Rente, deren Höhe und Laufzeit bei Vertragsabschluss vereinbart wird. Die Höhe der monatlichen Rente sollte sich am gewohnten Einkommen orientieren und die Laufzeit sollte so bemessen sein, dass der Lebensunterhalt bis zum Renteneintritt gesichert ist. Auf diese Laufzeit ist dringend zu achten, damit keine Versorgungslücke entsteht. In jungen Jahren lohnt sich der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung besonders: Die Beiträge sind wesentlich günstiger als in fortgeschrittenem Alter. Auch verlangen die meisten Gesellschaften bei jungen Menschen häufig keine Gesundheitsprüfung.

Viele Versicherungsgesellschaften bieten eine Kombination aus Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsversicherung an. Ob diese Kombination sinnvoll ist oder nicht, hängt immer vom individuellen Einzelfall ab.


Selbstständig bereits vor 1984?

Wichtig für ältere Selbstständige ist auch die Kenntnis zum Haushaltsbegleitgesetz, das 1984 in Kraft trat und durch das die Anspruchsvoraussetzungen auf eine BU- oder EU-Rente verschärft wurden. Wer 60 Monate lang vor der Verabschiedung des Haushaltsbegleitgesetztes von 1984 selbstständig tätig war, hat nur Anspruch auf eine staatliche BU- oder EU-Rente, wenn er seit dem 1. Januar 1984 bis zum Eintritt des Versicherungsfalls monatlich freiwillig Beiträge eingezahlt hat. Für die Betroffenen dieses Gesetzes ist es besonders wichtig, auf privatem Wege durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung vorzusorgen, denn der einzig noch verbleibende Schutz bestünde sonst aus der Grundsicherung durch das Jobcenter.


wichtige Information

Sonderfall: Handwerker

Handwerker sind generell gesetzlich pflichtversichert. Sie können sich allerdings von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen, sofern sie mindestens 216 Monate lang Beiträge geleistet haben, und die gesparten Beiträge stattdessen in eine private Absicherung investieren, die eine wesentlich höhere Absicherung darstellt.


Wichtig sind die Vertragsbedingungen und eventuelle Klauseln!


wichtige Information

  • Umorganisation des Betriebs
  • Rücktrittsrecht des Versicherers

  • Verweisung
  • Nachversicherungsgarantie


Die „Klausel zur Umorganisation des Betriebs“ beispielsweise sieht vor, dass der Versicherte zunächst nachweisen muss, dass auch eine Umorganisation des Betriebs keinen Einfluss auf die Berufsunfähigkeit hat.

Auch gibt es Versicherer, die sich ein Rücktrittsrecht vom Vertrag von maximal 5 Jahren nach Vertragsabschluss sichern.

Besondere Beachtung verdient der „abstrakte Verweis“: Hier muss der Versicherte nachweisen, dass die Berufsunfähigkeit nicht nur seinen Beruf betrifft, sondern auch andere Tätigkeiten, auf deren Ausübung er durch den Versicherer verwiesen werden kann. Der abstrakte Verweis kann im Versicherungsvertrag ausgeschlossen werden.

Auch die Inflation und eine damit verbundene Möglichkeit der Beitragsanpassung sollte beachtet werden, hier spricht man auch von einer „Nachversicherungsgarantie“.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte sich auch dringend über die Möglichkeiten bei Zahlungsschwierigkeiten informieren: Manche Gesellschaften sind bereit, in dringenden Fällen die Versicherung für einen vereinbarten Zeitraum ruhen zu lassen.


Preise vergleichen !

Interessenten, die einen Versicherungsvergleich durchführen möchten, sollten unbedingt zunächst die Leistungen der Gesellschaften vergleichen und dann erst die Preise. Ein Preisvergleich ist nur zwischen Gesellschaften sinnvoll, die entsprechend gute Leistungen bieten. Dann aber sollte ein Preisvergleich dringend durchgeführt werden, da hier Unterschiede von mehreren hundert Euro pro Jahr bestehen können, auch wenn die Vertragsbedingungen die gleichen sind. Die Kosten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung hängen übrigens immer vom Beruf, vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab und sind daher für Arbeitnehmer, wie auch für Selbstständige, gleich.