Leistungsfall – berufsunfähig werden


Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist nützlich, wenn die Ausübung des erlernten Berufs aufgrund gesundheitlicher Probleme ausgeschlossen, der allgemeine Arbeitsmarkt aber noch geöffnet ist. In diesen Fällen erhalten nach dem 1. Januar 1961 geborene Personen keine Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Doch woraus ergibt sich der Leistungsfall bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, wie erfolgt die Beantragung und die Auszahlung der Rente und hat das Versicherungsunternehmen das Recht auf eine Nachprüfung des Gesundheitszustandes?


Die Beantragung der Berufsunfähigkeitsrente durch den Versicherungsnehmer

Beantragt der Versicherungsnehmer eine Berufsunfähigkeitsrente, hat dieser der Versicherung im Regelfall auf eigene Kosten Nachweise über den Leistungsfall zu übermitteln. Die geforderten Beweismittel unterscheiden sich unter Umständen bei den verschiedenen Versicherungsunternehmen. Die geforderten Nachweise ergeben sich aus dem Versicherungsvertrag. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass das Einreichen der folgenden Unterlagen zwingend erforderlich ist:

  • ein Nachweis über den Geburtstag des Versicherungsnehmers (zum Beispiel eine Geburtsurkunde, der Personalausweis oder der Reisepass)
  • die Schilderung des zur Berufsunfähigkeit führenden Sachverhaltes (zum Beispiel Unfallberichte der Polizei, ärztliche Gutachten oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers)
  • ausführliche Gutachten der zurzeit behandelnden Ärzte. Diese sollen Angaben über den Beginn, den Verlauf, der Art, der Ursache und der voraussichtlichen Dauer sowie dem Grad der Berufsunfähigkeit enthalten.
  • Angaben über das Einkommen (zum Beispiel bei Selbständigen der letzte Jahreseinkommenssteuerbescheid oder bei Angestellten und Beamten die letzte Lohnabrechnung)
  • eine Beschreibung über den zuletzt ausgeübten Beruf des Versicherungsnehmers. Dieser sollte Angaben zur Stellung und zur Tätigkeit des Leistungsberechtigten beinhalten.
  • eine Aufzählung über die Krankenhäuser, Ärzte oder Pflegeeinrichtungen, die aktuell oder in der Vergangenheit mit der Behandlung des Versicherungsnehmers betraut waren.
  • eine Aufzählung aktueller und früherer Arbeitgeber
  • eine Aufzählung der Sozialversicherungsträger (zum Beispiel die gesetzliche Renten- oder Unfallversicherung), der privaten Versicherungsgesellschaften oder anderer Versorgungsträger, die ebenfalls Leistungen erbringen könnten.

wichtige Information

Die Vollständigkeit sowie die Korrektheit der Angaben in Bezug auf die Berufsunfähigkeit ist das Wichtigste, um schnell finanzielle Unterstützung zu erhalten.


Nach Einreichung der Unterlagen ist das Versicherungsunternehmen verpflichtet, den Leistungsfall zu prüfen. Bei fehlender Mitwirkung des Versicherungsnehmers (zum Beispiel bei fehlender Reaktion auf Nachfragen, unvollständigen Anträgen oder bei Beitragsrückständen) darf der Leistungserbringer die Leistung versagen.


Die Anerkennung der Berufsunfähigkeit durch den Leistungsträger

Nach Erhalt der oben genannten Unterlagen prüft das Versicherungsunternehmen, ob eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Gleichzeitig legt es auch einen Leistungsfall fest. Das ist der Tag, an dem das zur Berufsunfähigkeitsrente führende Ereignis eingetreten ist. Das genaue Datum ermittelt die Versicherung aus den vom Versicherten eingereichten medizinischen Unterlagen. Gegebenenfalls lädt der Versicherer den Berechtigten auf eigene Kosten zu einer Untersuchung bei einem neutralen Arzt vor, um weitere Erkenntnisse zum Leistungsfall zu gewinnen.
Nach der Prüfung der Unterlagen ist das Unternehmen verpflichtet, eine Erklärung über die Leistungspflicht abzugeben. Diese hat schriftlich (zum Beispiel über den Postweg, per Fax oder Email) zu erfolgen und muss Auskünfte darüber enthalten, ob und in welcher Höhe Leistungen erbracht werden. Der Versicherer darf die Leistung einmal zeitlich begrenzen.


wichtige Information

Nach Beantragung der Berufsunfähigkeitsrente ist die Versicherung verpflichtet den Versicherungsfall zu prüfen.

Ebenso muss die Versicherung eine schriftliche Erklärung gegenüber dem Versicherungsnehmers abgeben.


Rentenauszahlung

Der Erhalt der Rentenzahlung

Die Zahlung der Rente erfolgt im Regelfall monatlich per Überweisung. Bei vielen Versicherern ist auf Wunsch auch eine Bezahlung per Verrechnungsscheck möglich. Grundsätzlich erfolgt die Zahlung der Rente vorschüssig. Das bedeutet, dass der Versicherer die Überweisung am Anfang des Monats tätigt. Beispielsweise ist die Zahlung für den Monat Oktober für den 1. Oktober vorgesehen. Auch eine Zahlung ins Ausland ist möglich. Hier trägt jedoch der Versicherte regelmäßig die Gebühren für die Übermittlung.


Die Nachprüfung für den Fortbestand der Berufsunfähigkeitsrente

Bei einigen Versicherten ändert sich mit der Zeit der Gesundheitszustand zum Besseren. Deshalb steht dem Versicherer das Recht zu, auch bei unbefristet bewilligten Renten Nachprüfungen durchzuführen, um den Erhalt der Berufsunfähigkeit festzustellen. Hierzu gehört, dass die Versicherung jederzeit Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand anfordern darf. Ferner ist der Leistungsberechtigte dazu verpflichtet, sich auf Wunsch der Versicherung einmal jährlich von einem medizinischen Gutachter untersuchen zu lassen.
Im Anschluss prüft die Versicherung, ob weiterhin ein Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente besteht. Kommt der Versicherte den oben genannten Pflichten nicht nach, ist der Leistungserbringer zudem berechtigt, die Rente ganz oder teilweise einzustellen.


wichtige Information

Die Versicherung hat das Recht in regelmäßigen Abständen die Berufsunfähigkeit nachzuprüfen und bei einer Verbesserungen des gesundheitlichen Zustandes die Rentenhöhe anzupassen.